Starterpaket für Autoren

Was braucht man wirklich als junger Autor oder junge Autorin?

Ist das die teure namhafte Software? Visitenkarten? Eine eigene Domaine? Ein Team an Dienstleistern zur Hand, die von Lektorat bis zum Cover alles machen? Einen Agenten oder einen teuren Schreibkurs?

Es wird einem viel erzählt, was man als Newbie braucht, wenn der Tag lang ist, in Wahrheit sind ein Großteil dieser Empfehlungen, ihr ahnt es, Bullshit. Um tolle Geschichten zu schreiben, braucht es keine besondere Ausstattung. Zur Not tun es auch ein herkömmlicher Bleistift und ein Stück Papier. Denn die Geschichten entstehen in euren Köpfen und in denen eurer Leser nicht innerhalb der teuren Software oder auf dem Vertrag den ihr mit dem Agenten unterzeichnet.

Dennoch gibt es einige Dinge, die auf dem Weg hilfreich sind. Welche das sind, hängen auch wieder von euch selbst ab, jeder Mensch hat da seine Vorlieben, aber ich möchte euch hier ein paar vorstellen, die sich in meinem Starterpaket über die Jahre bewährt haben.

Schreibprogramm

Ja, braucht ihr. Es sei denn ihr gehört zu den wenigen, bei denen es nicht fließt, wenn sie eine Tastatur vor sich haben, dann überlest das hier einfach.

Für alle anderen gilt: Ja, ihr braucht Software. Aber nicht die arschteure, sondern einfach nur ein solides Schreibprogramm. Open Office reicht vollkommen. Und nein, die teure Software hat in Sachen Textverarbeitung nicht mehr drauf als gängige Schreibprogramme, das kann ich euch nach Jahren an Erfahrung sagen.

Was ich euch ebenso sagen kann, ist, dass ihr lernen solltet mit dem Programm, was ihr habt umzugehen, um das Maximum herauszuholen, denn auch Open Office verfügt über Rechtschreibkorrektur, einen Thesaurus, die Möglichkeit sich Kapitel anzulegen und einen Navigator und die Erkennung von Dopplungen. Alles andere, wie z.B. das Planen von Szenen und Ähnlichem, braucht man beim eigentlichen Schreibprozess nicht, bzw. es gibt auch andere Wege, dieses zu haben, statt sie für teures Geld in eine Software zu bannen. Szenen kann man auch plotten und planen, indem man einfach nur Stichpunkte schriebt. Ja, wie in den guten alten 80ziger Jahren. Oder, wer visueller ist, kann sich ein Notizheft anlegen und dort planen.

Notizheft

Notizheft, wir hatten es gerade. Ohne so eines wirst du kaum auskommen, es sei denn, du speicherst deine Notizen auch gleich im Rechner mit ab. Ansonsten, und wenn du eine Ausrede suchst, um dir guten Gewissens die ganzen schicken Bücher kaufen zu können, sag, dass du Hintergrundinformationen zu deinem Projekt ganz altmodisch auf Papier festhältst.

Festhalten tust du alles, was mit deinem Projekt zu tun hat. Besonders wenn du vorhast, eine Reihe von Büchern mit denselben Figuren zu schreiben wirst du so eine „Bibel“, einen Ort, an dem alle wichtigen Informationen über die Figuren, das Umfeld und die Zeitachse gesammelt sind, brauchen.

Natürlich brauchst du auch hier nicht die teuersten Bücher. Die Hände weglassen würde ich von den „Vokabelheften“. Diese dünnen, getackerten? Ja, die sehen sehr hübsch aus, sind aber meiner Erfahrung zu dünn, wenn man ein Projekt plant.

Webseite

Eine der wichtigsten Sachen im Autorenleben.

Denn, die Webseite macht dich sicht- und auffindbar und sie ist dein Zuhause. Dein eigener Raum, in dem du dich vorstellen kannst, in dem du über das sprichst, was dich bewegt, was du liebst, dein Raum, in dem du mit deinen Lesern in Kontakt treten kannst.

Jetzt meinst du, du hast keine Ahnung, wie man so eine Seite baut? Kein Grund zur Panik oder zur Suche nach einem Fachmann. Es gibt zahlreiche Angebote, die entweder kostenlos oder aber nur ein geringes Entgelt kosten, damit du dort deine eigene Präsenz auch ohne große Fachkenntnisse bauen kannst. Solche solltest du gerade am Anfang nutzen, denn das Schreiben wird dir nicht sofort einen Geldsegen bescheren, aber auffindbar musst du dennoch von Beginn an sein. Daher, nutze die günstigen Sachen wie etwa Wordpress, oder auch Sachen wie square space, jimdo, weebly und wie sie nicht alle heißen. Wenn du da auf der Suche bist, Google is your friend.

Nachteil der kostenlosen Angebote?

In der Regel eingeschränkte (Design) Optionen, Werbung, wenig Speicherplatz, keine Chance einen eigenen Shop aufzubauen, was du eigentlich ohnehin nicht möchtest, aus Steuergründen, aber dazu mal in einem anderen Artikel mehr, und und und.

Der Vorteil: du musst nicht viel machen, brauchst nicht selber groß programmieren zu können, um dir eine ansprechende Seite zu basteln und hast erst mal ein Dach über dem Kopf ohne viel Geld auszugeben. Für die ersten Schritte und Jahre ist das vollkommen ausreichend. Wenn du etwas weiter bist, kannst du über den nächsten Schritt nachdenken:

Domain / der eigene Name

Wie gesagt, das ist der nächste Schritt: die Sicherung des eigenen Namens, denn wenn du zum „Untermnieter“ bei einem Anbieter wirst, wirst du erst mal nicht unter deinem eigenen Namen zu finden sein, sondern deine Webseite wird statt www.ottilie.normalverbraucherin.de eher so etwas wie blogspot.123_ottilie_normalverbraucherin.com heißen.

Ist das schlimm?

An sich nicht, aber klar nur den eigenen Namen stehen zu haben ist eleganter und irgendwie professioneller. Allerdings kostet das auch ein bisschen was. Ungefähr um die 10 bis 20 Euro pro Jahr. Und da ist die Frage, ob du bereit bist, das zu investieren. Wenn ja, dann ist das cool, weil du dir so früh deine Wunschadresse und damit deinen Namen sichern kannst. Außer dir kann dann niemand mehr den Link www.ottilie.normalverbraucherin.de nutzen. Womit dir geholfen wird, deine Marke, denn nichts anderes ist dein Name, zu schützen und besser aufzustellen.

Wenn du allerdings ohnehin erst noch ganz am Anfang bist, werden dich die Leute ohnehin nicht direkt suchen, demnach wird erst mal keiner merken, dass du vor deinem Namen ein blogspot irgendwas irgendwas zu stehen hast.


Agenten

Äh...nein.

Wenn du dir diesen Artikel anschaust, brauchst du keinen Agenten, keine Agentin. Glaub mir. Wenn es sein muss, kannst du dir später immer noch so etwas ans Bein binden.

Oft muss man auch einiges an Vorerfahrung und Veröffentlichungen mitbringen, damit sich die Agenten überhaupt für einen interessieren. Die Guten sind nämlich auch wählerisch. Aber für dich, in der Phase in der du gerade bist, ist das uninteressant. Was du derzeit brauchst ist ...

Disziplin und ein dickes Fell, bzw. einen blinden Fleck

Disziplin, um zu schreiben und ein dickes Fell gegenüber Kritik, bzw. wenn du jemand bist, dem man keine Kritik geben muss, weil du es eh auch allein sehr gut kannst, dann brauchst du einen blinden Fleck für das eigene Geschriebene bzw. selektive Taubheit gegenüber dem inneren Kritiker. Sonst kommst du nie auf einen grünen Zweig. Und nein, Günther, ich möchte jetzt nicht über den letzten Satz diskutieren. Kusch! Ab zurück in dein Körbchen! Verdammter Nörgler!

Schreibkurs / Bücher über das Schreiben

Äh.. ja, kann man machen und kaufen, wenn man meint, dass man das braucht.

Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass weder Goethe, noch Austen, noch Charles Dickens oder Michael Ende je einen Schreibkurs genommen haben, noch jemals so ein Buch in der Hand hatten. Ja, zu Goethes Zeiten hat es das nicht gegeben und damals hat jeder wunderbar schwülstig geschrieben, das war quasi angeboren. Lag vermutlich daran, dass die kein Netflix hatten, aber naja, um noch mal darauf zurückzukommen, ich denke nicht, dass man das zwingend braucht.

Was man hingegen braucht und wofür man durchaus Geld ausgeben sollte, sind Bücher allgemein, um das Stilgefühl zu schulen und um das Schreiben durch das Lesen zu lernen. Und Reisen. Um die Fantasie anzukurbeln. Wenn man es sich leisten kann. Das sind die zwei Punkte für die ich Geld ausgeben würde.

Team an Dienstleistern

Wieder, siehe den Abschnitt mit dem Agenten.

Derzeit noch nicht interessant für dich, denn derzeit hast du noch kein Buch, das irgendwer lektorieren oder für das man ein Cover basteln könnte.

Wenn du so weit sein solltest, ja, dann kannst du dich auf die Suche nach entsprechenden Anbietern machen und die Aufgaben abgeben. Aber lass dir gesagt sein, billig wird das nicht. Ein Lektorat kostet schon um die 3.000 Euro mindestens. Was ein Cover kostet, weiß ich nicht, da ich meine selbst mit Stockfotos und der entsprechenden Software erstelle. Daher komme ich hier also etwas günstiger bei weg, wobei die Software natürlich auch etwas kostet, aber die hat man dann auch über Jahre und kann sie für mehr als nur ein Cover nutzen.

Solltest du diese Dienstleistungen brauchen, musst du die entsprechenden Personen nicht sofort an der Hand haben. Wenn es so weit ist, kannst du dich immer noch in der Autorenwelt umhören und umschauen, sogar probieren. Nicht jeder Lektor wird für deinen Text geeignet sein. Ebenso wie nicht jeder Lektor oder jede Lektorin die du gern haben möchtest, sofort für dich Zeit hat. Daher stelle dich auf eine etwas längere Suche ein und starte mehrere Anfragen.

Wenn du niemanden in der Autorenbubble kennst, kannst du auch gern bei der VFFL, dem Verband der freien Lektorinnen und Lektoren, oder unter www.lektorenverzeichnis.de

Ob man so auch auf Coverdesigner kommen kann, dass weiß ich nicht, da muss ich passen, aber auch hier würde ich sagen, in der Autorenbubble wird man schnell fündig, bzw. man kann einfach fragen und wird geholfen.

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Es war einmal - Ein SchauerMäerchen der unlogischen, vertanen Szenen und Chancen

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Statt auf Ohren, was auf die Augen - was ich lese und warum lesen für Autoren wichtig ist