Agent, Artefakt, Motor , Konflikt- ein Kartenspiel für Die Inspiration
Kinners, in gut vier Wochen ist schon wieder Weihnachten, und in Anbetracht dieser Tatsache dachte ich mir, ich mache mir ein vorgezogenes Geschenk und investiere gleichzeitig in mein Hobby, indem ich mir das Story Prompts Deck von Story Engine anschaffe. Endlich. Denn ich liebäugle bereits seit über einem Jahr mit der Idee, in dieses Art „Kartenspiel“ zu investieren. Aber bisher habe ich es immer wieder verworfen, nicht zuletzt, weil ich etwas skeptisch war, was man am Ende damit bekommt und ob und was man davon hat. Dem vollmundigen Werbeversprechen, dass der Writers Block, also die heißgeliebte Schreibblockade, damit ein Ding der Vergangenheit sein soll, nun, dem glaube ich nicht so ganz. Das verweise ich doch in die Sphäre der Märchen, aber was solls. Man gönnt sich sonst nichts, und daher dachte ich, es wird Zeit und habe auf „kaufen“ gedrückt. Was folgte, war ein Monat Wartezeit, ehe ich das Paket in Empfang nehmen konnte. Ja, richtig gelesen. Es hat gut einen Monat gedauert, bis das Päckchen aus UK da war. Das liegt zum einen daran, dass das Starterdeck meist ausverkauft ist und man es zwar bestellen kann, aber warten muss, bis das Produkt wieder verfügbar ist. Zum anderen hilft es natürlich auch nicht, dass es wieder eine dichte Grenze zwischen UK und Deutschland gibt. Ein weiterer Wehrmutstropfen: Alle Angebote von Story Engine sind leider nur auf Englisch verfügbar. Ich habe gesucht, konnte aber leider tatsächlich kein vergleichbares deutschsprachiges Angebot finden. Vielleicht wisst ihr da mehr? Tipps bitte gern in die Kommentarspalte! Danke! Aber kommen wir zum Deck selbst. Was erhält man, wenn man gut um die 40 Euro in die Hand nimmt und darin versenkt?
Was ist das?
Ich habe mir das Story Prompts Deck, das Einstiegsdeck, besorgt. Neben diesem gibt es noch weitere Decks, die dann speziell für den Weltenbau in Fantasy-, Steampunk- und anderen Geschichten gedacht sind, aber ich dachte, ich fange ganz am Anfang an. Da reicht mir die Grundausstattung. Alles andere kann ich später noch nachholen, wenn ich das möchte.
Das Anfängerdeck kommt in einer handlichen Kiste daher, ähnlich einem Brettspiel. Öffnet man die Kiste, entdeckt man ein Guidebook (die Anleitung) und fünf Kartenstapel. Die Aufgabe dieser Karten ist es, verschiedene „Bauelemente“ der Geschichte zu repräsentieren und uns als Autorinnen und Autoren zu helfen, indem sie diese Elemente sichtbar machen und auch Anstöße geben, wenn einem die Ideen mal ausgehen.
Wenn ihr die einzelnen Karten zur Hand nehmt und umdreht, werdet ihr dort unterschiedliche Dinge / Bezeichnungen finden, die dem jeweiligen Kartencharakter entsprechen.
So steht die „Agents“-Karte beispielsweise für die Figuren in der Geschichte. Wenn ihr die Karte umdreht, seht ihr auf der Rückseite Rollen wie „roommate“ (Mitbewohner), „secret admirer“ (heimlicher Bewunderer) oder auch etwas dunklere Figuren wie „addict“ (Junkie, Abhängiger) zur Auswahl stehen. Pro Agent-Karte hat man die Wahl zwischen 4 verschiedenen Rollen.
Und so geht es auch auf den übrigen Karten weiter:
„Anchor“ / „Anker“-Karte: Hier handelt es sich entweder um ein Objekt / Artefakt, einen Ort oder aber ein Ereignis der Geschichte. Zur Auswahl stehen Sachen wie „School“ (Schule), „prison“ (Gefängnis), aber auch abstraktere Dinge, wie „technique“, also eine Technik oder eine technische Errungenschaft oder „a death“, ein Todesfall, der wiederum die Figur der Geschichte maßgeblich beeinflussen kann.
„Engine“ / „Motor“-Karte: Sie repräsentiert die Motivation der Figuren für ihre Handlungen. Denkbare Motive könnten sein, dass eure Figuren etwas schützen wollen oder sie möchten schlicht Rache für etwas, das ihnen passiert ist. Angeboten werden neben diesen klassischen Motiven noch Beweggründe wie: „wants to escape“, die Figur möchte jemandem oder etwas entkommen, „wants to spread a lie about“, möchte eine Lüge über … verbreiten oder „wants to gain power of“, möchte Macht / Kontrolle über etwas oder jemanden erreichen. Der Fantasie sind hier also keine Grenzen gesetzt, und pro Karte hat man die Wahl zwischen zwei möglichen Motivationen.
„Conflict“ / „Konflikt“-Karte: Keine gute Geschichte ohne tragenden Konflikt, daher werden hier zwei Optionen angeboten zwischen denen ihr wählen und eure Figuren so richtig zum schwitzen bringen könnt. Denkbar sind hier Sachen wie die Aufarbeitung einer Feindschaft oder eines alten Traumas, was natürlich für eine Menge Sprengstoff in eurer Geschichte sorgen könnte oder wenn euch das nichts ist, könnt ihr auch dafür sorgen, dass eure Figuren etwas tun müssen, was sie nie nie nie tun würden oder sich für die Lösung der Geschichte an einen Ort begeben müssen, um den sie einen großen Bogen machen würden. Wenn euch das nicht reicht, ihr habt zahlreiche Karten, die ihr ziehen und probieren könnt. Nur zu.
„Aspects“ / „Zuschreibungs“-Karte: Ja, "Aspect" heißt Ausprägung von etwas, aber ich verwende hier gern die Übersetzung Zuschreibung, weil diese Karte für mich wie ein Adjektiv funktioniert. In meinen Augen beschreibt sie lediglich etwas näher und verleiht diesem etwas zusätzliche Eigenschaften wie „beautiful“, also „schön“. Was dann genau schön in eurer Geschichte ist, das könnt ihr selbst entscheiden. Streng nach Guidebook sollte die Karte in einer Linie mit den restlichen Karten ausgelegt werden. Für mich macht es bei der praktischen Anwendung mehr Sinn, sie als Ergänzung zur beispielsweise der „Anker“- oder der „Agenten“-Karte zu nutzen, denn für mich ist es eher logisch verständlich, wenn ein Ort oder ein Artefakt schön oder gruselig ist.
So, und damit können wir der Muse etwas auf die Sprünge helfen. Alle Elemente einer guten Geschichte sind vorhanden. Es gibt eine Figur (Agent), die getrieben ist von einem Motiv (Motor), und deren Wunsch/Streben durch einen Konflikt (Konflikt) verkompliziert wird. Zusätzlich kann man sich noch dafür entscheiden, eine Anker-Karte als weiteren Aspekt zu legen, wenn man z.B. ein Artefakt für eine gute Fantasygeschichte oder aber einen gruseligen Ort oder ein auslösendes Ereignis braucht, das die Figur erst auf 180 bringt und dann auf den Weg bringt. Aber wie nutzt man es?
Wie bereits eingangs bemerkt, sind die Karten und auch die Anleitung in Englisch, aber zum Glück ist die Nutzung der Karten selbsterklärend, sodass man wenigstens für die einfachste „Legung“ keine Anleitung braucht. Zudem wird in der Anleitung auch darauf hingewiesen, dass man die Karten gerne nutzen kann, wie man will. Die englischsprachige Welt nimmt Tipps wirklich als Tipps wahr, nicht als Regeln, die nur anders genannt werden. Daher kann man tun und lassen, was man will, und für den, der sich dennoch strikt an die Anleitung halten möchte, aber kein Englisch kann, nun, für den gibt es jede Menge Bilder, anhand derer man sich das Vorgehen ableiten kann.
Wenn ihr nun die einfachste Vorgehensweise ausprobieren möchtet, macht ihr Folgendes:
Ihr zieht von jeder Karte eine und legt sie in einer Linie vor euch hin. Danach dreht ihr sie um und schaut, was dort geschrieben steht. Bei den Agenten- und Anker-Karten habt ihr zwischen vier verschiedenen Ausprägungen/Dingen die Wahl, bei allen anderen zwischen zwei Optionen. Nun schnappt ihr euch die, die euch am meisten anspricht, und legt sie so hin, dass ihr sie gut lesen könnt, also in der Regel mit der ausgewählten Option nach unten, sodass sich eine Linie ergibt, auf der von links nach rechts: die Figur-, die Anker-, und die Motor-, die Konflikt- und die Zuschreibungskarte liegen und sich so eine Geschichte ergibt. Solltet ihr etwas ziehen, was euch nicht passt, steckt die Karte zurück in den Stapel und zieht neu.
Wie ihr sehen könnt, geht es bei dem oben aus der Anleitung entnommenen Beispiel um eine(n) Überlebende(n), die/der ein Geheimnis einer paradiesischen Gesellschaft ans Licht bringen möchte, aber dafür damit rechnen muss, von seiner Gemeinschaft rausgeworfen zu werden. Klar, anderer Leute dreckige Wäsche ans Licht zu zerren, bringt höchst selten Pluspunkte, aber spannend ist es allemal, sich zu überlegen, was für dreckige Wäsche das ist.
Oh, und noch ein kleiner Hinweis, ehe ihr richtig loslegt: Jede Agenten-Karte steht für eine Figur/einen Charakter. Möchtet ihr eine Geschichte mit mehreren Figuren schreiben, müsst ihr pro Figur so eine „Linie“ basteln.
Nun dürfte klar sein, wie man die Karten verwendet. Bleibt noch die Frage: Warum sollte man das Geld in die Hand nehmen? Wobei können sie helfen?
Nun, dass diese Karten im Rollenspielbereich sehr beliebt sind, kommt nicht von ungefähr. Sie können helfen, Inspirationen für eine neue Geschichte oder Wendungen zu finden, wenn man gerade eine Durststrecke hat. So kommt man schnell auf ein mögliches Motiv, wenn einem selbst keins einfallen möchte. Gleichzeitig ist das System auch für Anfänger geeignet, da es recht intuitiv ist und sicherstellt, dass man alle wichtigen Elemente einer guten Erzählung zusammenhat, ehe man loslegt. Zudem ist es auch sehr anschaulich, was für jeden, der gerne so arbeitet, sicher ein Pluspunkt ist. Außerdem kann man die „Legung“, wenn man es so nennen möchte, abfotografieren und dem Sammelordner mit allen Informationen zur Geschichte und Figuren hinzufügen, sodass man jederzeit noch mal darauf zugreifen kann oder das Ganze erneut legen kann, wenn ihr nochmal darüber nachdenken oder etwas daran ändern wollt.
Zudem muss ich auch zugeben, dass die Verpackung des Ganzen gut gemacht ist und es einem Freude bereitet mit den Karten zu arbeiten. Es hat einen sehr spielerischen Charakter, was dem Plotten eines Projekts den ernsten, manchmal etwas hemmenden Charakter nimmt. Gerade wenn man sich von solchen Dingen ins Bockshorn jagen lässt oder aber sich in zu strikten Bahnen bewegt kann es hilfreich sein nicht nur über den Tellerrand zu schauen, sondern quasi rübergeworfen zu werden. Die Legung ist ja nur ein Brainstorming. Ihr müsst die Sachen die dabei ans Licht kommen und gelegt werden nicht zwangsläufig übernehmen. Alles in allem ist es eine gute Inspiration. Sowohl für das Erzählen und Schreiben von Geschichten als auch für die Rollenspieler unter euch. Ich für meinen Teil kann die Anschaffung des Story engine prompt deck empfehlen. Ob ich mir die Ergänzungsdecks hole, das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich zweifle nicht daran, dass sie durchaus eine nette Ergänzung zum Starter Paket sind, aber ich denke mit eben dem Starter Paket hat man eine solide Hilfe zur Seite gestellt. Eine noch breitere Aufstellung wird nicht mehr viel bringen. Wer also eine gute Hilfe für das Plotten von allen möglichen Geschichten jeden Genres möchte und möglichst lang auch von der Investition profitieren will, dem kann ich das Starter Deck nur empfehlen. Es ist breit aufgestellt, kann vielseitig angewendet werden und es macht Spaß damit zu „arbeiten“, wobei die Arbeit sich nicht als solche anfühlt.
Also dann, bis zum nächsten Mal. Wenn ihr bis dahin noch mehr von mir und meinem Alltag wissen wollt, schaut gern auf meinem Instagramm Kanal vorbei. Da gibt es zwar keine ausführlichen Artikel, aber den einen oder anderen durchaus niedlichen Tiercontent und Bilder aus meinem Alltag als Autorin und Ottilie Normalverbraucherin.
Bis dahin und wenn ihr Empfehlungen oder auch Feedback zum Story Engine deck oder sonstigen Artikeln hier auf dem Blog habt… da unten ist die Kommentarspalte.