Schreibkurse - Online, aufgezeichnet, live? Was passt besser?

Es ist März 2025 und vielleicht hat so manche*r von euch die guten Vorsätze, die im Januar gefasst wurden, noch nicht vergessen. Und vielleicht war unter all den Vorsätzen wie etwa weniger Überstunden machen, mehr Sport treiben, endlich die Socken stopfen auch so etwas wie „Fortschritte beim Schreiben machen“ oder aber „Schreiben lernen“ oder etwas Ähnliches dabei. Doch nun stellt ihr, nach 8 Wochen Kampf und des Versuches der Gewohnheitsbildung fest, ihr steht vor einer Mauer. Ihr tretet auf der Stelle. Die Sache mit der Gewohnheit bekommt ihr (meistens) schon ganz gut hin, haltet diszipliniert durch, aber die Fortschritte … Die können irgendwie nicht Schritt halten oder stellen sich so gar nicht ein.

Wenn das der Fall ist, dann denkt ihr vielleicht darüber nach, was ihr anders machen könntet, um endlich einen Durchbruch zu erzielen. Und wenn das der Fall ist, wenn ihr an der Stelle gerade seid, dann herzlich willkommen im Klub. Genau dort bin ich auch. Weswegen ich beschlossen habe, dieses Jahr mal etwas Neues auszuprobieren.

Für gewöhnlich lerne ich indem ich probiere. Vieles in Sachen Schreiben habe ich unbewusst durch sehr, sehr viel Lesen in meiner Schulzeit gelernt. Ja, ich war wahnsinnig beliebt in der Schule, keine Frage. Allerdings ist es, wie es immer mit „Polstern“ ist, egal ob es sich um Finanzen oder aber Wissenspolster handelt: irgendwann sind sie aufgebraucht und dann muss eine neue Wissensquelle her, die man anzapfen kann.

Für solche Fälle könnte ein Schreibkurs die Lösung sein. Und zum Glück, seit Corona, gibt es solche Kurse nicht nur als Präsenzveranstaltung, nein, es gibt auch viele Anbieter die solche Kurse auf die eine oder andere Art in digitaler Form anbieten. Zwei dieser Arten möchte ich heute hier vorstellen und dann später im Jahr, wenn ich meinen Schreibkurs absolviert habe, einen kurzen Abriss darüber geben, wie es war.

Natürlich kann und werde ich jetzt hier nicht auf jeden Anbieter im Einzelnen eingehen. Das würde den Rahmen sprengen. Ich möchte eher zwei unterschiedliche Modelle ansehen, von denen ich denke, dass sie auch in das vollgestopfteste Leben passen und die von recht bekannten Anbietern stammen: Zum einen die Masterclass und zum anderen ein Kurs von der VHS.

Doch bevor ich mich hier weiter auslasse, gehen wir doch direkt rein und fangen an.

Masterclass

Über das Angebot der Masterclass bin ich bereits vor einem Jahr auf Instagramm gestolpert. Nach dem ersten flüchtigen Blick schien mir die Gebühr von 120 Euro allerdings zu teuer, weil was bekommt man eigentlich für den doch recht stolzen Preis?

Die Antwort: Classes. Mit Stars und Sternchen des jeweiligen Themenfeldes. Sprich: Schreibkurse mit Margret Atwood, Neil Gaiman, einen Kochkurs mit Gordon Ramsay.

Wobei… Schreibkurs oder Kochkurs finde ich eigentlich keine wirklich angemessene Bezeichnung für diese „Classes“, also Klassen, die man dort machen kann. Bei den Kursen handelt es sich um eine Videoaufzeichnung, ähnlich einem Interview, in dem der „Lehrer“ zu bestimmten Themen befragt seine Ratschläge gibt. Auf gut Deutsch: Margret Atwood spricht über Figurenentwicklung. Neil Gaiman spricht über Schreibblockaden. Für jeweils 20 Minuten.

Joa. Unterhaltsam. Aber kann das was? 120 Euro und dann insgesamt um die 2 Stunden Interviewmaterial mit einer beliebten Person bezüglich eines Themas? Scheint recht dürftig. Schließlich kann ich mir Interviews mit bekannten Stars auch anders ansehen, dafür muss ich keine 120 Euro zahlen. Auch wenn ich zugebe, dass ich schon neugierig wäre, ob bekannte Autor*innen so etwas wie eine Schreibblockade kennen und wenn ja, wie sie damit umgehen. Oder im Falle von Gordon Ramsay mit einem Küchenbrand.

Natürlich kann man dem Modell zu Gunsten halten, dass ihr, wenn ihr ein Jahresabo abschließt, nicht auf ein Themenfeld begrenzt seid. Ihr könntet neben den Schreibkursen auch noch Kochkurse machen. So ihr das wollt. Vorausgesetzt ihr seid des Englischen mächtig. Denn, das ist ein weiterer Nachteil, alle Kurse werden nur auf Englisch angeboten.

Andererseits ein entscheidender Vorteil des Ganzen ist, dass es online stattfindet und dass ihr jederzeit und überall euren Lernstoff abrufen könnt, da es sich um aufgezeichnetes Material handelt. Mehr Flexibilität geht nicht. Das Lernen passt sich eurem Terminplan an. Macht wann und so lange ihr wollt. Ihr könnt einen Kurs an einem Wochenende binge-watchen oder nur eine „Stunde“, also 20 Minuten investieren, weil mehr gerade nicht geht. Das ist so kurz, dass es auch der umtriebigsten Person noch machbar sein sollte, dass irgendwo unterzubringen.

Zudem ist das Videoformat sehr unterhaltsam. Wenn man tatsächlich nichts weiter davon mitnehmen kann, dann vielleicht den Spaß ein interessantes Interview zu hören.

VHS

Bei der VHS handelt es sich quasi um ein Urgestein, wenn man etwas neben dem Job und Alltag lernen will. In (fast) jeder Stadt gibt es eine ihrer Niederlassungen und das Angebot an Kursen ist quasi unbegrenzt. Ob Makramme, Häkeln, Erste-Hilfe-Kurs oder alternative Tiermedizin, es gibt bei der VHS nichts, was es nicht gibt. Wenn sich jemand findet, der sein Wissen dazu anbieten möchte, dann kann ein Kurs zustande kommen. Und seit Corona hat sich das Angebot viel in den Onlinelehrebereich verlagert. Das bedeutet mehr Auswahl für euch, weil ihr jetzt deutschlandweit aus dem Angebot aussuchen und euch zuschalten lassen könnt. Egal ob der Kurs in Flensburg stattfindet und ihr in München wohnt oder ob es einen Kurs in Saarlouis gibt und ihr aber auf Usedom hockt, solange eurer Netz funktioniert, könnt ihr euch zuschalten und das ist, meiner bescheidenen Meinung nach ziemlich cool.

Doch kommen wir zu den Preisen.

Bei der Masterclass war es so, dass ihr für ca. 120 Euro (Stand Januar 2025) eigentlich, wenn es denn korrekt läuft, Zugang zu unbegrenzt vielen „Kursen“ (ein aufgezeichnetes Interview mit ca. 2 Stunden Länge) erhaltet, egal aus welchem Feld. Wie sieht das an der VHS aus?

Etwas kompliziert.

Die Preise variieren. Je nachdem wie lang der Kurs gehen soll (logisch), wie betreuungsintensiv er ist (ebenfalls logisch) und auch an welchem Standort der Kurs gehalten wird (hmmmm….).

Was das heißt, will ich kurz an zwei Beispielen erklären:

Während meiner Suche nach interessanten Kursen aus dem Bereich Schreiben bin ich auf eine Art Grundkurs für Autor*innen gestoßen. In der Beschreibung war zu lesen, dass es bei dem Kurs um die Grundlagenvermittlung in Sachen Selfpublishing versus Verlagsautoren geht, dass über Preisbildung und Gewinnspannen und auch über das Thema Literaturagenturen gesprochen wird. Was genau das alles dann im Detail beinhaltet, geht aus der Beschreibung nicht hervor, aber bei den Themen gehe ich davon aus, dass es sich um eine Art Frontalunterricht handelt, bei dem der / die Kursleiter*in bestimmte Sachen aufzeigt, vermittelt und auf ein paar Fragen eingeht, die natürlich gut vorherzusehen sind und auf die man sich als Leiter*in daher auch gut vorbereiten kann. Daher ist die Betreuung in dem Kurs sicher nicht so intensiv und anspruchsvoll wie in einem Schreib- coaching oder einer Autorenwerkstatt, die ich auch bei der VHS gefunden habe. Der Standort des Kurses ist Berlin und er umfasst insgesamt 3 Termine. Es handelt sich also um einen recht kurzen Kurs und der Preis dafür beläuft sich auf 39,90 Euro.

Im Vergleich dazu das eben kurz erwähnte Beispiel eines Schreibcoachings. Bei diesem ist der Standort ist der gleiche, allerdings ginge dieser Kurs über zwei Monate, also deutlich länger. Inhalt des Kurses ist natürlich auch die Vermittlung von Wissen und Techniken, allerdings bekommen die Teilnehmer auch die Chance, bei jedem Treffen ihre Texte oder ihren Text zu präsentieren und sich Feedback von der Gruppe sowie von dem / der Leiter*in einzuholen. Es wird also aktiv daran gearbeitet, den Text zu verbessern und die Teilnehmer werden über zwei Monate beim Schreiben begleitet und unterstützt. Ist deutlich individueller und natürlich auch betreuungsintensiver und somit deutlich schwerer vorzubereiten, weil man mögliche Fragen oder aber Hindernisse nicht so gut vorhersehen kann wie in dem Grundlagenkurs. Der Preis hierfür ist entsprechend höher und liegt bei um die 120 Euro.

Ihr seht also: gleicher Anbieter, gleicher Standort, trotzdem Welten zwischen den Preisen. Ebenso kann es Preisunterschiede für das „gleiche“ Angebot an unterschiedlichen Standorten geben. Angebote aus Großstädten tendieren dazu teurer zu sein. Wenn ihr also einen Kurs findet, den ihr euch in der Großstadt nicht leisten könnt oder wollt, schaut doch, ob er nicht von einem anderen kleineren Standort angeboten wird und bezahlbarer ist. Die Chancen stehen durchaus gut. Zudem gibt es die Möglichkeit zu schauen, ob ihr nicht Anspruch auf eine Ermäßigung habt. Neben den üblichen Ermäßigungen für Schüler, Studenten, Rentner und Arbeitslose gibt es noch zig andere Ermäßigungen. Sich da schlau zu machen, kann sich lohnen. Ebenso wie der Blick in das Angebot der VHS (en? Ist das die Mehrzahl von VHS? Ich weiß es nicht, aber ich denke, ihr begreift, was ich meine.)

Was kann man also festhalten?

Das Angebot der VHS ist ebenso breit wie das der Masterclass. Zudem ist ein Teil der Angebote auch online verfügbar. Was die Preise angeht, so könnte man meinen, dass man bei der VHS mehr zahlt als bei der Masterclass, allerdings stellt sich bei genauem Hinsehen heraus, dass die Preise nach Kurs und Standort variieren. Wenn ihr sucht, könnt ihr durchaus günstige Angebote an nicht so großen Standorten finden. Zudem gibt es die Möglichkeit Ermäßigungen zu bekommen. Das bietet die Masterclass nicht.

Außerdem gibt es noch einen anderen entscheidenden Unterschied in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis: Bei der Masterclass dauert eine Sitzung / eine Stunde knappe 20 Minuten. Zudem handelt es sich um aufgezeichnetes Material. Bei der VHS sind die Stunden wirklich Schulstunden und auf die eine oder andere Art live. De facto erhaltet ihr also mehr Unterricht für euer Geld, wenn man es so brutal sagen will.

Andererseits … Unterricht live? 45 Minuten oder gar länger Zeit freiräumen für den Kurs? Sich an feste Tage und Uhrzeiten halten, um sich entweder in Person oder aber wenigstens online zu dem Kurs zuschalten zu lassen?

Das muss man auch erst mal können und wollen.

Andere Anbieter, die ihre Stunden aufgezeichnet haben, sind für euch, wenn euer Alltag ohnehin schon vollgepackt ist, vielleicht eher zu empfehlen, weil ihr so die Stunde wahrnehmen könnt, wenn es euch gerade passt.

Das geht bei der „live“ Stunde natürlich nicht, daher solltet ihr vorher gut überlegen und abwägen, was für euch in Frage kommt und was euch lieber ist: Wollt ihr eine aufgezeichnete Stunde, die ihr wahrnehmen könnt wann ihr wollt, so lange ihr wollt und im Falle einer Unterbrechung pausieren könnt? Dafür habt ihr aber nicht die Möglichkeit Fragen zu stellen, wenn Inhalte unklar sind. Oder möchtet ihr Fragen stellen können? Dann müsst ihr aber in Kauf nehmen, zu einer bestimmten Zeit für eine gewisse Zeitspanne anwesend zu sein.

Welches der zwei hier vorgestellten Modelle besser zu euch passt, kann ich euch nicht sagen, aber ich bin sicher, sowohl bei der VHS als auch bei der Masterclass werdet ihr fündig, was Angebote angeht. Und wenn ihr zu denen gehört, die 2025 in das Portemonnaie schauen und sagen: „Wär schön, aber ...“ dann versucht es mit den Feedbackrunden in Schreibgruppen, egal ob live und in Farbe oder aber online. Wenn ihr dort auf das richtige Publikum trefft, die richtigen Leute, dann kann das sehr wohl zu einem Durchbruch und teilweise auch zu einem jahrelangen Austausch führen, den ihr hinterher nicht mehr missen wollt.

So, jetzt aber genug von mir. Ich werde mich jetzt ransetzen und das Angebot der VHS testen, um euch später darüber Auskunft zu geben, wie es so ist. Natürlich nur begrenzt. Ich kann mich nicht durch alles für euch testen. Wäre schön, aber so üppig ist mein Budget auch nicht. Solltet ihr noch Fragen oder aber Anregungen haben oder möchtet ihr den Blog generell unterstützen, dann teilt einfach meine Beiträge, den Link zum Blog oder auch gern zu den Buchseiten, wenn ihr jemanden kennt, der eine Leseempfehlung braucht. Ansonsten sehen wir uns hoffentlich im kommenden Monat wieder, wenn es um Schreibtipps für die richtig verhunzten Tage geht.

Weiter
Weiter

Eingeschobenes