Grundaustattung eines Autors - Teil DRei

Teil der Grundausstattung eines Autors und diesmal geht es nicht um Technik oder Social Media, diesmal menschelt es vielmehr. Denn neben Plattformen und Schreibplänen gibt es auch noch den Mensch, der hinter all dem steckt und der es auf lange Sicht nicht machen wird, wenn man sich nicht auch ein wenig um die Autorenpsyche kümmert.


Disziplin und Durchhaltevermögen:

Das sollte jeder Autor*inn auf jeden Fall mitbringen. Die Autorenbubble ist nicht schillernd und bunt, auch wenn sie von außen so aussieht. Bücher schreiben ist eine verdammt einsame Sache und der Erfolg kommt leider in den seltensten Fällen über Nacht. Die Regel sieht eher so aus, dass man über Jahre hinweg einsam in die Tastatur haut und sich wie ein Kleinkind freut, wenn man mal ein nettes Wort oder Rückmeldung zu seinen eigenen Werken kommt. Am ehesten ist dieses „baden in positiven Rückmeldungen“ noch bei der Veröffentlichung möglich, wenn man eine Leserunde startet. Allerdings eignet sich das auch nicht für jedermann und für jedes Genre / Werk. Oft will man auf den Leseplattformen einfach zu konsumierende Inhalte, etwas, dass genau passt. Wenn es um etwas geht, dass sich über die Grenzen des Genres hinausstreckt, nicht zu 100 % in die Schublade passt, führt es oft zu Verwirrung und Ablehnung. Sein Publikum zu finden ist nicht so einfach und das ist eine der Sachen, die das Autorenleben oft so kompliziert machen.

Selbstvertrauen:

Noch so ein Ding, ohne das kein Autor*in auskommt: Selbstvertrauen.

Obwohl der Schreibprozess an sich ziemlich einsam ist, früher oder später kommt der Punkt, an dem man sich mit seinem Werk an die Öffentlichkeit wagt und spätestens dann wird der Zeitpunkt sein, wo man jede Menge Selbstvertrauen braucht, denn die Welt ist kein Ponyhof.

Sobald man klar macht, dass man schreibt und sobald Leute Zugang zu deinen Werken bekommen, werden sie sie nieder machen. Nicht alle und nicht total, aber es wird immer wen geben, der was daran auszusetzen hat, der das Buch in Teilen oder ganz anders geschrieben hätte. Und eins kann ich aus Erfahrung sagen: das tut weh.

Klar, auch im normalen Brotjob trifft man auf Kritik und manchmal kann sie da gefährlicher sein, als im Autorenleben, da sie einen eben jenen Brotjob kosten kann. Trotzdem finde ich, dass Kritik an meinem Werk oder meinem Autorendasein mich irgendwie mehr trifft als Kritik in einem anderen Bereich, was unter Umständen daran liegen mag, dass das Schreiben eine so anstrengende und so sch… bezahlte Tätigkeit ist. Ich mein, lets face it, pro Buch verdienen Autor*innen nicht mehr als einen Appel und Ei. Für etwas, an dem sie ziemlich lang gesessen haben. Ist doch klar, dass man dann, wenn man schon keine Bezahlung in klingender Münze bekommt, wenigstens auf irgendeine Art und Weise entlohnt werden will. Wenn das ausbleibt, sind die Selbstzweifel vorprogrammiert. Einzige Verteidigung dagegen? Selbstvertrauen und Liebe zu dem, was man tut.

Woher bekommt man das?

Manche Kandidaten scheinen das von Natur aus zu haben. Meist sind das die, die sonst nicht viel haben, aber gut… Solltet ihr nicht zu der Gruppe gehören, nun ein Weg um Selbstvertrauen aufzubauen und einem mit den Problemen im Autorenleben zu helfen sind: Freunde.

(Wobei es nicht unbedingt Freunde sein müssen, die auch schreiben, aber das kann helfen.)

Freunde sind klasse darin, einen wieder aufzurichten, wenn man meint, dass alles verloren ist. Sie sind es, die einem sagen, man soll mal nicht so übertreiben, wenn man sich über (un) gerechtfertigte Kritik aufregt und schwört, dass man nie wieder was schreiben würde. Sie sind auch diejenigen, denen man von seinen Problemen mit den Charakteren, der Spannungskurve oder einfach nur mit dem Kapitel erzählen kann und die dann mit überraschenden Lösungen um die Ecke kommen.

Obwohl Bücher schreiben einsam ist, kein Buch würde existieren, wenn es nur den Autor oder die Autorin geben würde. Ich finde, bis zu einem gewissen Anteil ist ein Buch immer ein Gemeinschaftsprojekt, irgendwie.

Wo man hingegen kein Selbstverdauen findet, kann ich euch auch sagen: im Vergleich mit anderen Autor*innen.

Macht das nicht! Never ever! Schon gar nicht mit solchen, die ihr als Buch im Schrank zu stehen habt! Das kann nur in einer Krise enden, denn wenn ihr ein veröffentlichtes Buch in die Hand nehmt, gibt es einen riesigen Berg an Arbeit und Verbesserungen, die ihr leider nicht seht, der aber dazu führt, dass ihr eine Art verzerrte Wahrnehmung haben werdet. Ein veröffentlichtes Buch enthält tausend Stunden an Arbeit von einer ganzen Handvoll Leute. Grafiker, für das Cover, Lektoren, für den Text, Korrektoren, für den Text, zahlreiche Testleser…. Dein Text ist nur die Arbeit eines einzigen Menschen. Klar, dass der Vergleich irgendwie hinken muss oder? Aber genau das sieht man nicht in dem Moment, wo man das Buch in der Hand hat und den Text dort mit seinem Text vergleicht. Daher: Finger weg davon!

Dickes Fell:

Das ist was, was ich unter dem Punkt Selbstvertrauen schon kurz angesprochen habe: Autoren brauchen ein dickes Fell, denn früher oder später wird die Kritik kommen und die muss man leider aushalten können. Um das zu erreichen muss man begreifen, dass man es nicht allen recht machen kann und lernen zwischen guter und schlechter Kritik zu unterscheiden. Woran man den Unterschied erkennt? Das findet ihr hier raus.

Bücher / Schreibratgeber:

Eine Frage, die auch immer kommt, wenn man es mit Schreibanfängern zu tun hat, ist die, welche Schreibratgeber man gelesen haben muss.

Ehrlich? Meiner Ansicht nach keinen.

Ich finde Schreibratgeber einfach nur kompliziert und hemmend. Aus zahlreichen Gründen.

Entweder sie enthalten schlechte Beispiele, wenn sie denn überhaupt Beispiele enthalten. Statt einer Art „Vorher-Nachher“ Vergleich eines Textes zu machen, geben sie meist unterschiedliche Beispiele für etwas, wo ein Tipp nicht beachtet und dann doch beachtet wurde. Oder sie beantworten mir meine Frage nicht, aber jede Menge andere Fragen, bzw. sie zeigen einem jede Menge Dinge auf die man doch bitte beachten sollte, was dazu führt, dass ich all das SOFORT beachten und umsetzen möchte, was darin endet, dass ich gar nicht mehr schreiben kann. Das gilt bei mir nicht nur für Schreibratgeber, sondern auch für Betaleserfeedback. Seitdem ich veröffentlicht und Kritik erhalten habe, schreibe ich nicht mehr wie vorher, denn von der ersten Kritik an, habe ich angefangen mir Sorgen darüber zu machen, ob das, was ich sagen möchte, auch wirklich verstanden wird, ob es wirklich gut ankommt. Sicher, Autor*innen sollen die Qualität ihrer Texte sicherstellen, aber wenn es mehr verkrüppelt, als das es hilft, tja….

Ich finde immer, Schreibratgeber sind, wie wenn man über das Atmen oder das Laufen nachdenkt. Tut man das, kommt alles ins Stocken und das Kennenlernen des Trottoirs ist garantiert. Daher habe ich beschlossen, ich halte mich von Schreibratgebern fern, es sei denn, ich suche nach einer Lösung für ein bestimmtes Problem. Dann wälze ich die Bücher gezielt nach einer Lösung für dieses eine Problem, verbiete mir den Rest zu lesen. Andererseits, wenn ich so darüber nachdenke, seinen wir mal ehrlich, vermutlich würde ich selbst in so einem Fall eher das Netz durchsuchen oder einen anderen Autor fragen, als denn Geld in ein teilweise doch recht teures Buch zu investieren.

So, damit sind wir am Ende.

Oder fällt euch noch etwas ein, was man als Autor*in unbedingt haben sollte, besonders wenn man frisch startet?

Oh, Moment! Eine Sache fällt mir noch ein:

Katze:

Ja, eine Katze. Oder wahlweise ein niedliches Meerschwein oder einen süßen Hund. Das sollte jeder Autor / jede Autorin haben, denn die machen sich unglaublich gut als Schreibblockade und kommen gut auf Bildern (Scherz).

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Grundausstattung Eines Autors - Teil Zwei