Kreativität im Muskelshirt
Täglich Brot und Werkzeug des Künstlers? Klar! Kreativität!
Der Künstler sieht etwas, stört sich an etwas, wünscht sich etwas und das wandelt er um in sein Werk. Mal wirklich eins zu eins, lebensecht. Mal transformiert, verklausuliert in fernen Welten spielend. Aber immer stammen die Ideen aus unserer Welt, unserem Alltag. Der Unterschied zwischen all dem wird nur von der Kreativität erschaffen.
Doch was, wenn die Muse plötzlich nicht mehr küsst. Wenn die Kreativität streikt? Kann man das rückgängig machen, wenn das eingetreten ist?
Irgendwo habe ich gelesen, Kreativität sei ein Muskel. Man könne sie sehr wohl trainieren. Nun, wenn dem so wäre, dann wäre die Antwort auf die Frage, ob man Kreativität wieder ankurbeln kann, ein klares „Ja“. Ebenso wie man sagen könnte, man kann jederzeit anfangen kreativ zu werden, schließlich kann man auch in jedem Lebensalter mit Krafttraining beginnen. Aber wie genau soll das gehen? Wie steigt man in das Training ein? Und gibt es Mittel, mit denen man dem Aufbau auf den Weg helfen kann?
Erst einmal vorweg, lasst uns kurz klären, wovon hier die Rede ist.
Wenn ich hier von Kreativität spreche, dann spreche ich vor allen Dingen von Inspiration und Fantasie. Ohne diese beiden gibt es keine Kreativität. Und eines ohne das andere… funktioniert leider auch nicht. Weil, was bringt mir der tollste Anstoß, also die Inspiration, wenn ich sie nicht umsetzen kann? Womit die Fantasie ins Spiel kommt. Denn es ist die Fantasie, die die Idee aufnimmt, bewahrt, ausbaut, mit anderen Ideen verknüpft und daraus mit Hilfe von Hartnäckigkeit etwas Neues erschafft. Einen Song, einen Film, ein neues Verhaltensmuster, eine Geschichte…
Wenn nun aber das Doppelgespann aus Inspiration und Fantasie die Grundlage für Geschichten sind, wie schafft man es, sie sich im Alltag mit stempeln, lochen und abheften zu erhalten? Geht das? Was sind die Voraussetzungen dafür?
Die gute Nachricht vorweg: Inspiration ist überall zu finden. In der Zeitung, im Fernsehen, in anderen Büchern, auf der Straße eure Mitmenschen… Alles was euch umgibt kann als Ding für eure Geschichte dienen. Vielleicht nicht immer als Hauptidee, aber jedes kleine Bisschen hilft. Das Ding ist nur, man muss sie auch sehen. Daran hapert es zumeist. Daher hier der erste Tipp, bzw. vielmehr die erste Feststellung wessen es bedarf, um Inspiration und Fantasie zu trainieren:
Zeit und Selbstachtsamkeit
„...man muss auch mal zwischendrin stehen bleiben und die Rosen bewundern“. Gott, ich hasse dieses Sprichwort. Dennoch, selbst ich muss zugeben, man kann kaum Sachen wahrnehmen, wenn das Leben nur noch aus roboten besteht. Dann fehlt nicht nur die Inspiration, vermutlich krankt es noch an ganz anderen Dingen und auf lange Sicht gibt das eine fette Rechnung. Daher hier der Hinweis: Achtet auf euch! Nehmt euch Auszeiten! Scheißegal, was die anderen sagen! Das ist verteufelt wichtig. Nicht nur wegen der Inspiration, sondern wegen euch! Denn alle Inspiration und Fantasie nutzen euch nichts, wenn ihr an einem plötzlichen Herzkasper sterbt! Ich weiß, es ist nicht einfach sich das einzugestehen und es ist noch schwerer es auch durchzusetzen und einzuhalten, aber versucht es. Nehmt die Überstunden und macht einen halben Tag verdient blau! Achtet auf euch. Holt mal Luft.
Begeisterung
Etwas, dass ich oft beobachtet habe, ist, dass Neulinge ganz oft vor Ideen nur so überlaufen. Alle nasenlang hoppelt ihnen eine neue Sache über den Weg und sie haben grundsätzlich zig Eisen im Feuer und klagen darüber, wie langsam sie vorankommen. Keine Ahnung, warum das so ist. Ich nehme an, es hat etwas mit dem Reiz des Neuen zu tun, der explosionsartig sehr viel freisetzt?
Hier kann ich nur raten: statt euch zu verzetteln und keines der Projekte richtig hinzubekommen, setzt euch hin und notiert die Idee, die ihr habt. Auf die Art könnt ihr sie für schlechte Zeiten eintuppern.
Ja, ich weiß, vermutlich hört ihr das nicht gern, aber Schmalhans wird immer mal wieder Küchenchef sein und dann ist es gut vorgesorgt zu haben.
Musik
Wenn man in Schreibforen unterwegs ist, stolpert man früher oder später immer über das Thema: Musik beim Schreiben, ja oder nein? Die Antwort ist ziemlich eindeutig. Die meisten Autor:innen sagen „Ja“. Sie brauchen die Musik um sich in den Schreibflow zu bringen.
Manche Autor:innen nutzen die Musik sogar so gezielt, dass sie, für jedes ihrer Werke eine bestimmte Playlist haben. In dieser sind nur Lieder, die für sie eine Bedeutung in Bezug auf das Werk haben. Sei es, dass es ein Lieblingssong eines der Charaktere ist oder dass sie ihn mit einem Ort verbinden an dem die Geschichte spielt oder mit einer Stimmung. Und sie können die Listen teilen, mit allen, die später das Buch lesen. Auch eine coole Sache.
Ein Bild …. tausend Ideen
Bilder werden sehr gern zu Inspirationszwecken genutzt. Oder auch um die Fantasie zu entlasten. Entlasten in sofern, als das es Autor:innen gibt, die sich oft Bilder ihrer Charaktere erstellen und vor sich an die Wand hängen. Auf die Art haben sie ihre Figuren immer vor Augen, was es ihnen leichter macht, sich in diese hineinzuversetzen. Dadurch ist die Fantasie dann für andere Dinge frei und die Geschichte kann weitergesponnen werden. Gleiches gilt für Orte. Auch hier kann man sich eine Bildersammlung anlegen und so auf den Spuren der Figuren wandeln, Details sehen, die gar nicht da sind und sich die Arbeit erleichtern.
Reisen. Bildet.
Besonders gut klappt das natürlich mit Orten, an denen man selbst schon einmal war. Wenn man davon Fotos hat, können diese mit der Erinnerung verknüpft, Details, an die man sich erinnert, können noch mal überprüft werden und so für lebendige Bilder im Buch sorgen. Außerdem liebt unser Hirn neue Sachen. Wenn wir also von gewohnten Wegen abweichen, dann macht das glücklich. Egal, wie schwer uns das fällt. Und wenn es noch dazu eine Urlaubsreise ist, um so besser. Das alles kann für Entspannung sorgen, Entspannung wiederum sorgt dafür, dass wir die Augen und Ohren für Inspiration offen haben und die Inspiration war ja noch mal gleich was? So schließt sich der Kreis.
Pudels Kern
Die Tipps, die ich bis jetzt aufgezählt habe sind sehr einfach zu befolgen, aber manchmal helfen sie nicht. Wenn das der Fall ist, kann es sein, dass die Schreibflaute oft nicht nur durch einen vermeintlichen Mangel an Inspiration und / oder Fantasie bewirkt wird, sondern dass in dem Ding noch mehr steckt. Eine ziemlich fiese Mischung aus Dingen, die mit einseitigem Angehen und einfachen Lösungen kaum behoben werden können. Denn wenn dein Problem konstanter Energiemangel und Stress ist, plus noch ein überlauter innerer Kritiker, der dich vermutlich auch noch dafür rund macht, dass du die letzten Wochen kaum mehr als ein Wort zu Papier gebracht hast, was ja seine Schuld ist, der Bas….tkorb! Nun, wenn so eine Mischung dein Problem ist, wirst du sie mit reinen Zeitmanagement kaum in den Griff bekommen. Um so einen Fall zu beheben, brauchst du, neben einem gefühlt zweijährigen Urlaub, ein gutes Zeitmanagement, mehr Achtung bezüglich deiner Bedürfnisse und einen Aus Knopf für den Kritiker. Dann erst kann es mit der Inspiration und der Fantasie und dem Schreiben klappen. Daher hier schon mal vorab die Erlaubnis zu schreiben, was und wie du willst. Verurteile dich nicht selbst. Das macht schon dein innerer Kritiker. Und er macht das richtig gut und andauernd. Also, lass ihm seinen Job und kümmere dich nicht auch noch um seine Arbeit, du hast selbst genug zu tun. Außerdem kann der dumme Kerl nichts anderes. Also, lass ihm das und behalte im Hinterkopf, auf dem echten Arbeitsmarkt wäre der Typ ne ganz arme Nummer.
So, für alle, denen dieser eine Tipp zu wenig ist, hier kommen noch weitere:
Nicht über den Tellerrand blicken.
Okay, ich weiß, was jetzt gleich kommen wird, klingt eher nach Lüneburger Heide statt nach Hollywood, aber egal, hier kommt es:
Wenn wir etwas schreiben wollen, wollen wir Eindruck schinden. Wir möchten mit unseren Texten eine Antwort auf die richtig großen Fragen unserer Zeit bieten. Sei es in Reinform oder aber in verklausulierter Art in dem wir Dinge in fernen Galaxien spielen lassen und diese Welten mit exotischen Figuren und Handlungen ausstatten.
So menschlich verständlich das ist ist es doch ein Problem, wenn du gerade nicht genug Fantasie für eine ganze neue Weltengründung hast. Aber muss dich das vom Schreiben abhalten? Nein, statt in unendliche Fernen zu schweifen, bleib doch mal bei dir. Ganz nah. Und frag dich, was du für Probleme hast. Das nicht schreiben können ist garantiert nur eins davon. Wenn du ehrlich bist, gibt es noch mehr Dinge, die dich aufregen und wütend machen und erst neulich wieder der Chef, wenn du nur mal könntest wie du wolltest, du würdest ….
Was? Was würdest du tun?
Mensch! Mega Neuigkeiten für dich! Du bist Schriftsteller:in! Die Frage was du tun würdest, kannst du doch nun wirklich beantworten und ausleben! Auf dem Papier wohlgemerkt. Nur auf dem Papier. Schreibe dir deine Probleme vom Herzen, lass sie Teil eines Romans werden, lass deine Figur für dich kämpfen, wenn du kein Kämpfer in der Realität bist.
Das ist jetzt aber nicht wirklich großes Kino, höre ich dich sagen.
Nein, habe ich ja auch nicht behauptet, aber es kann ein Fuß in die Tür zum Schreiben sein. Und wer weiß, vielleicht geht es bei deinem nächsten Text nicht mehr nur darum, was du Mark aus der IT sagen würdest (Es ist „Danke“, by the way. Die IT´ler sind echt unterschätztes Personal.), sondern um etwas wirklich Weltbewegendes.
Dick auftragen!
Wo wir gerade dabei sind, dass wir etwas verändern können, hier Tipp zwei: Trage dick auf!
Jeder von uns hat Sachen im Leben, die ihn immer wieder stören.
Immer die anderen, die Sachen bekommen oder denen Sachen scheinbar problemlos gelingen, während wir uns abrackern! Die Gesellschaft, die immer unfreundlicher und rücksichtsloser wird. Grad erst neulich ist man im Supermarkt von so einem aufgeblasenen Typen umgekarrt worden, weil eine neue Kasse geöffnet hatte und er der Erste sein wollte!
Oder aber der Hausputz, der immer nur von einer Person in der Beziehung gemacht wird, während der oder die andere das immer übersieht!
Alltägliche Situation, alltägliche Probleme. Aber um was geht es da wirklich? Echt nur um den Ärger auf die Kollegen oder den Kerl mit dem Einkaufswagen? Oder geht es nicht um tieferliegende Sachen? Wettkampfgedanken? Leistungsgesellschaft und -Druck? Um das große Rennen um Anerkennung? Um Ressourcenverteilung? Wüstenlandschaften? Wasserknappheit…
Hört sich weit hergeholt an? Bitte, alles ist erlaubt. Nicht nur in der Liebe. Und du bist doch auf der Suche nach einem Thema, nach Inspiration, also, Übertreibung ist das Zauberwort, dass auch aus kleinen Themen durchaus große Projekte machen kann. Schau hin und lass dich inspirieren.
Regeln studieren um auf Ideen zu kommen.
Zugegeben, so meine Sache ist das ja nicht, aber es gibt Leute, denen hilft das frei herumrennen nichts. Die sind eher Fans von Regeln und fester Struktur. Wenn auch du so jemand bist, kann es vielleicht sein, dass zu viel Auswahl eher überfordert denn fordert. Um das zu beheben, kann es helfen, wenn man sich vor Augen führt, was für eine Geschichte du schreiben wollen würdest, wenn du denn könntest wie du wolltest und was die Regeln, bzw. was die Struktur dieser Art von Geschichte ist. Wenn du z. B. Fantasyfan bist und gern eine solche Geschichte schreiben möchtest, dann ist klar, dass deine Struktur die Heldenreise ist. Und mit dieser Struktur kommt ein bestimmtes Set an Figuren. Welche das sind und wie deine jeweiligen Figuren „aussehen“ könnten, nun, das liegt jetzt an dir, das herauszufinden und dann diese Figuren auf die Beine zu stellen. Überlege dir, wie dein Held beschaffen sein könnte. Was könnte seine Schwäche sein? Ein Faible für teure Schokolade? Wer ist sein Gegenspieler? Wie macht er dem Helden das Leben zur Hölle?
Sicher, auch das hört sich nach noch nicht viel an, aber schau, es ist doch immerhin ein Anfang. Und schließlich zählt alles, um die Fantasie anzukurbeln.
Mach es anders und mache einen Perspektivwechsel.
Gut, du hast schon einiges probiert, aber irgendwie hast du immer noch keine eigenen Ideen? Nun, dann schnapp´ dir das Werk eines anderen, schau es dir an und schreibe es neu.
Ich wette, jedem von uns ist schon mal der Gedanke gekommen, dass wir das eine oder andere in unserem Lieblingsbuch, dem Lieblingsfilm, anders gelöst hätten.
Nun denn, dieses Mal hast du freie Hand. Schreibe um, was dir nicht gefällt.
Oder andere Idee: schreibe das Werk aus Sicht einer der Figuren neu. Berühmtestes Beispiel: Maleficent. Dörnröschen aus Sicht der bösen Fee erzählt. Das Gute an der Idee, allzu viel muss man hier nicht mehr selbst erfinden. Die Welt besteht schon, die Hauptfiguren ebenfalls, ein Konflikt ist vorhanden. Alles, was man tun muss, ist einer Figur eine Stimme zu geben, die bisher nicht zu Wort kommen durfte. Für den Wiedereinstieg eine gute Sache und auch noch sehr interessant.
Das Gleiche kann man sicher auch mit Sequels machen. Statt das man einer Figur eine Stimme zur gleichen Sache gibt, löst man Figuren aus bestehenden Geschichten und lässt sie eigene Abenteuer erleben. In Fanfiktionkreisen ein beliebter Zeitvertreib. Besonders, wenn Fans den Eindruck haben, dass manche Figuren zu kurz kommen. Sicher, so ganz angesehen ist die Sache nicht, aber bevor man völlig verzweifelt, warum nicht so probieren?
Fallen euch noch Tricks und Tipps ein! Was habt ihr schon ausprobiert, um gegen die Flaute im Kopf anzugehen? Lasst es mich wissen.